Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Posted on

Der Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen wurde um das Jahr 1622 herum in dem Örtchen Gelnhausen im Kinzigtal (Hessen) geboren. Er stammte aus einer verarmten Adelsfamilie aus dem Dorf Grimmelshausen an der Werra (Thüringen), die sich im 16. Jahrhundert in Gelnhausen niedergelassen hatte. Der Großvater von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen war Gastwirt und Bäcker und legte den Adelstitel im Jahre 1597 ab.

Über die ersten beiden Lebensjahrzente von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen gibt es nur wenig in Erfahrung zu bringen. So ist lediglich bekannt, dass sein Vater Johann Christoph starb, als er vier oder fünf Jahre alt war. Seine Mutter heiratete bald darauf wieder und zog ohne ihren Sohn nach Frankfurt am Main, wo ihr neuer Mann lebte. Der kleine Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen blieb bei seinem Großvater in Gelnhausen und besuchte dort die Lateinschule.

Auch Gelnhausen blieb vom dreißigjährigen Krieg nicht verschont. So wurde es im September 1634 von den kaiserlichen Truppen der katholischen Partei eingenommen und verwüstet. Das gleiche wiederholte sich im Januar 1635. Ein großer Teil der Einwohner von Gelnhausen floh damals in das nahe gelegene Hanau, das unter dem Schutz protestantischer Truppen stand. Sehr wahrscheinlich war auch Hans Jakob Christoffel zu Grimmelshausen unter den Flüchtlingen.

Es finden sich Hinweise, dass Grimmelshausen im Sommer 1636 Trossjunge bei der Belagerung Magdeburgs war und im Jahr 1637 einem kaiserlichen Dragonerregiment angehörte. Aufgrund seines jugendlichen Alters wohl jedoch nicht als regulärer Soldat. Im Jahr 1639, mit etwa 18 Jahren, war er schließlich auch aktiver Kämpfer und diente im Regiment des kaiserlichen Obristen Hans Reinhard von Schauenburg wo er es bis zum Schreiber in der Regimentskanzlei brachte. Schriftstücke von der Hand Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens lassen sich bis in das Jahr 1644 zurückverfolgen. 1648 diente er dann als Kanzleisekretär im Regiment des Obristen Johann Burkard von Elter in Wasserburg am Inn, bevor er schließlich im Juli 1649 in Vilshofen in der Oberpfalz den Kriegsdienst beendete.

Um diesen Zeitpunkt herum muß Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen auch zum katholischen Glauben konvertiert sein, denn seine Hochzeit, die für den 30. August 1649 in Offenburg belegt ist, wurde nach katholischem Ritus vollzogen. Seine Braut Catharina Henninger war die Tochter eines Regimentswachtmeisters. In der Heiratsurkunde fand das 1597 abgelegte Adelsprädikat „von“ in Verbindung mit „Grimmelshausen“ wieder Verwendung. Nach der Hochzeit zogen die beiden nach Gaisbach im Renchtal, das heute ein Ortsteil von Oberkirch (Baden-Württemberg) ist.

Dort arbeitete Grimmelshausen in den Jahren 1649 bis 1661 als Guts- und Burgverwalter der Familie von Schauenburg. Außerdem war er neben dieser Tätigkeit von 1656 bis 1658 Wirt der Gastwirtschaft „Zum Silbernen Stern“im Schaffnerhaus in Gaisbach. Von 1662 bis 1665 war er Burgvogt auf der benachbarten Ullenburg deren Besitzer der Straßburger Arzt Johannes Küeffer war. Nachdem er sich zwischenzeitig nochmals als Gastwirt versucht hatte, trat er 1667 dals Schultheiß von Renchen in den Dienst des Bischofs von Straßburg ein, zu dessen Territorium die Gemeinde gehörte. Damit war Grimmelshausen zuständig für die Niedere Gerichtsbarkeit vor Ort, sowie das Eintreiben von Steuern und Abgaben und die Einhaltung der öffentlichen Ordnung.

Im Jahr 1673 eröffnete der französische König Ludwig XIV., unterstützt von Grimmelshausens Dienstherrn, dem Bischof von Straßburg, im niederländisch-französischen Krieg einen neuen Kriegsschauplatz gegen die kaiserlichen Truppen am Oberrhein. Auch Renchen und seine Umgebung waren von den Folgen betroffen. Grimmelshausen leistete offenbar noch einmal Kriegsdienst. Im Kirchenbuch von Renchen findet sich über seinen Tod am 17. August 1676 folgender Eintrag: „Es verstarb im Herrn der ehrbare Johannes Christopherus von Grimmelshausen, ein Mann von großem Geist und hoher Bildung, Schultheiß dieses Ortes, und obgleich er wegen der Kriegswirren Militärdienst leistete und seine Kinder in alle Richtungen verstreut waren, kamen aus diesem Anlass doch alle hier zusammen, und so starb der Vater, vom Sakrament der Eucharistie fromm gestärkt, und wurde begraben. Möge seine Seele in heiligem Frieden ruhen.“ Seine Frau Catharina starb am 23. März 1683. Das Ehepaar hatte insgesamt zehn Kinder.

Wann genau Grimmelshausen seine Tätigkeit als Schriftsteller begonnen hat, ist leider bis heute ungeklärt. Einen Hinweis auf den Zeitpunkt liefert lediglich die Tatsache, dass alle Werke Grimmelshausens ausschließlich in seinem letzten Lebensjahrzehnt (1666-1676) erschienen sind. Zwar sind noch zahlreiche Schriftstücke aus seiner Zeit als Regimentsschreiber und Burgverwalter erhalten geblieben, jedoch gibt es keinerlei Material (Manuskripte, Briefe o.ä.) über seine schriftstellerischen Aktivitäten oder sein Privatleben.

Mit nur drei Ausnahmen brachte er Alle seine Bücher (bis auf 3 bekannte Ausnahmen) veröffentlichte Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen unter Pseudonymen. Bevorzugt verwendete er hierbei Anagramme, die aus seinem Namen verkürzt um „Hans“ und „Jakob“ bestanden. (Beispiele: Melchior Sternfels von Fuchshaim, Simon Leugfrisch von Hartenfels, Michael Rechulin von Sehmsdorff, Samuel Greifnson von Hirschfeld, German Schleifheim von Sulsfort, Israel Fromschmidt von Hugenfelß, Erich Stainfels von Grufensholm,Philarchus Grossus von Trommenheim).


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>