Der abenteuerliche Simplicissimus

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Simplicius Simplicissimus wächst als namenloser und ungebildeter Viehhirte auf einem Bauernhof im Spessart auf. Eines Tages plündert ein verirrter Trupp Soldaten, angelockt von seinem „Sackpfeifenspiel“, den elterlichen Bauernhof. Die Soldaten foltern den Knecht, schänden die Frauen, morden und brennen den Hof nieder. Der naive Junge kann flüchten und entkommt in den Wald. Auf diese Weise wird er von seinen mutmaßlichen Eltern getrennt.

Nachdem er bereits einige Tage durch den Wald geirrt ist, nimmt ihn ein alter Einsiedler bei sich auf. Er gibt ihm den Namen Simplicius („der Einfältige“), führt ihn ins Christentum ein und bringt ihm Lesen und Schreiben bei. Nach zwei Jahren in der Einsamkeit des Waldes, eröffnet ihm der Einsiedler, den er inzwischen als Vaterfigur sieht, dass er bald sterben werde und bittet Simplicius, ihn zu begraben.

Nach einem weiteren halben Jahr in der Einsiedelei, will Simplicissimus den Pfarrer des nahen Dorfes um Rat fragen, was er nun tun soll. Doch bei seiner Ankunft findet er das Dorf niedergebrannt und vollständig zerstört vor. Tief betroffen von der Schlechtigkeit der Welt beschließt Simplicius nun, selbst Einsiedler zu werden und kehrt zur Hütte seines verstorbenen Lehrers zurück. Auch sein bescheidenes Zu hause wird jedoch nach der Schlacht bei Nördlingen von Soldaten überfallen und seine Vorräte für den Winter geplündert.

In seiner Hütte findet Simplicissimus einen letzten Brief des verstorbenen Einsiedlers. Dieser rät ihm darin, den Wald zu verlassen. Gleichzeitig gibt er ihm jedoch als eine Art „Vermächtnis“ drei Richtlinien als erstrebenswertes Lebensziel mit auf seinen Weg: Selbsterkenntnis, Welterkenntnis und Beständigkeit. Simplicius Simplicissimus entschließt sich, den Wald zu verlassen.

Über das vom Krieg verwüstete Gelnhausen gelangt Simplicius Simplicissimus schließlich nach Hanau, wo er zunächst der Spionage verdächtigt wird. Dank der Hilfe des Stadtpfarrers kommt er jedoch wieder frei. Schließlich erfährt Simplicissimus, dass der Einsiedler früher Offizier und der Schwager des Gouverneurs Ramsay gewesen sein soll. Er wird Page des Gouverneurs und es wird offensichtlich, dass Simplicius der Neffe des Gouverneurs ist und der Einsiedler somit sein echter Vater war. Das Leben am Hof unterscheidet sich jedoch deutlich von dem in der Einsiedelei und Simplicissimus empfindet es mehr und mehr als heuchlerisch und gottlos. Im Gegenzug jedoch, stößt auch er immer weniger auf Verständnis für seine Naivität und mangelnde Kenntnis höfischer Umgangsformen.

Schon bald verliert er deshalb die Gunst seines Onkels wieder und soll zum Narren gemacht werden, indem man versucht ihn in den Wahnsinn zu treiben. Hierzu wird er mehrere Tage lang mit maskierten Teufeln in einen Keller gesperrt und gezwungen, große Mengen Alkohol zu trinken. Ein weiteres mal rettet ihn der Pfarrer und es gelingt ihm, den tatsächlichen Wahnsinn abzuwenden. Simplicissimus simuliert die Narrenrolle lediglich, muss aber trotzdem ein Kostüm aus Kalbsfell und Eselsohren tragen, um nicht aufzufliegen.

Kurze Zeit später wird Simplicius Simplicissimus von kroatischen Soldaten gefangen genommen, kann jedoch schnell wieder fliehen. Sein weiterer Weg führt ihn dann, nachdem er ein paar Wegelagerern durch eine List entwischen kann, über eine kurze Hexentanzepisode vor die Tore Magdeburgs. Hier übernimmt ihn der Oberst der kaiserlichen Truppen als Narr und schon bald wird er ein guter Freund des Hofmeisters Ulrich Hertzbruder und dessen gleichnamigen Sohns.

Nach der Schlacht bei Wittstock gelingt ihm mit Hilfe des jungen Ulrich die Flucht. Während jedoch Ulrich, der inzwischen auf der Seite der Schweden kämpft gefangen genommen wird, kann sich Simplicius als Diener eines Dragoners in das Kloster „Paradeiß“ bei Soest retten. Als der Dragoner stirbt, wird Simplicissimus selbst zum „Gefreyten“, und darf als Schutzbeauftragter weiterhin im Frauenkloster bleiben. Als sagenumwobener Verbrecher „Jäger von Soest“ gelangt er schließlich zu Ruhm und Geld.

Die Bekanntheit des „Jäger von Soest“ führt alsbald dazu, dass in der Nachbarstadt Werl ein Nachahmer unter dem Namen „Jäger von Werl“ auftritt. Simplicissimus setzt dem Treiben dieser Kopie jedoch bald ein Ende. Er lauert ihm nachts auf und droht, ihn zu töten, falls er es wagen sollte, noch einmal in Jägerkluft auf Beutezug zu gehen. Durch sein überhebliches Auftreten fordert er schließlich zwei Soldaten zum Duell heraus. Er geht als Sieger hervor, wird aber festgenommen, weil Duelle im Heer unter Todesstrafe verboten sind. Da er dem General eine List vorschlägt, wie er eine belagerte Stadt ohne Blutvergießen einnehmen kann, wird er dennoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt.

Nach seiner Freilassung verprasst er schnell sein ganzes Geld und verliebt sich in die Tochter des Obristen. Kurz darauf reist er über Köln nach Paris, wo er als Opernsänger Karriere macht und erneut reich wird. Geschwächt durch eine schwere Erkrankung wird ihm das verdiente Geld wenige Tage später geraubt. Doch schon kurz nach seiner Genesung kommt er als Quacksalber erneut zu einem Vermögen. Bald darauf wird er von Musketieren gezwungen, in den Krieg zu ziehen.

Während einer Spähfahrt auf dem Rhein kentert sein Schiff und er ertrinkt beinahe. In letzter Sekunde wird er gerettet und kann nach Rheinhausen fliehen. Dort wird er erneut als Soldat eingezogen, von gegnerischen Truppen gefangen genommen und von einem Räuber überfallen. Daraufhin kommt er in ein Wirtshaus und trifft dort Hertzbruder wieder. Die beiden beschließen, als Buße für ihre Sünden, eine Wallfahrt nach Einsiedeln zu machen. Simplicius hat aber keine richtige Lust und geht deshalb nur widerwillig mit. Im Anschluss an die Wallfahrt meldet er sich freiwillig wieder zum Kriegsdienst.

Als er schließlich vom sogenannten Mummelsee hört, macht er sich auf den Weg dorthin. Als er Kiesel in den See wirft, erscheint ihm der König der Wassergeister und schenkt ihm einen Stein, der eine Heilquelle hervor sprudeln lässt, sobald man ihn auf den Boden legt. Simplicissimus möchte mit Hilfe des Steins ein neues Heilbad gründen, legt ihn aber versehentlich beim Schlafen gehen auf den Boden. Verärgert, schon wieder so ein großes Vermögen verloren zu haben, zieht er sich auf einen Bauernhof zurück und studiert dort verschiedene Künste.

Im Herbst quartieren sich Truppen bei dem Bauernhof ein und er wird erneut gefangen genommen. Auf diesen Weise gelangt er nach Moskau und startet dort eine Karriere als Forscher. Weil er dem Zar zeigt, wie man Pulver herstellt, wird er wieder freigelassen. Auf der Heimreise erlebt er unzählige Abenteuer in Japan, Macao, Ägypten, Konstantinopel und Rom. Er gerät in die Hände von Piraten und wird von diesen als Galeerensklave verkauft, bevor er schlussendlich nach Hause zurückkehren kann.

Dort entdeckt Simplicissimus während eines Waldspaziergang ein Steinbild, das sich unter seiner Berührung in verschiedene Dinge und Tiere verwandelt. Als es schließlich zum Vogel wird und davonfliegt deutet er dies als Zeichen Gottes und bricht zu einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela auf. Abermals kentert das Schiff auf dem er sich befindet, und er kann sich im letzten Moment mit dem Schiffszimmermann an Land retten. Auf der Insel finden sie Obst, Geflügel, Früchte und Wasser in ausreichender Menge. Der Zimmermann säuft sich schließlich mit Palmwein zu Tode und Simplicius wird schlussendlich wieder zum Einsiedler. Er schreibt seine Lebensgeschichte auf und übergibt diese Jahre später an den Kapitän eines zufällig vorüberfahrenden holländischen Schiffes. Damit endet der Schelmenroman „Der abenteuerliche Simplicissimus“ des Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen.

In Grimmelshausens späterer Erzählung Springinsfeld, kehrt die Figur des Simplicius Simplicissimus überraschenderweise noch einmal zurück. Jedoch wird nicht erklärt, wie es ihm gelingen konnte, die Insel zu verlassen.

Infos

Der Text steht als gemeinfreies Werk, gemeinsam mit vielen anderen Klassikern der deutschen Literatur, zum legalen Download bei “Projekt Gutenberg” bereit und ist unter dem Menüpunkt “Links” zu finden. Im Buchhandel ist bereits im Jahr 2009 außerdem eine sprachlich von Reinhard Kaiser modernisierte Version des Buches erschienen.  Darüber hinaus ist “Der abenteuerliche Simplicissimus” auch als Hörbuch auf CD oder als Download z.B. bei Audible verfügbar.

 


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